So kam ich zu meiner NIMBUS
und weitere Anekdoten ……..

….. aber der Reihe nach.

Eigentlich bin ich schon ewig lange in der IG. Begonnen hat alles 1980. Meine Eltern waren damals noch selbstständig und besaßen ein Hotel in Göttingen. Zu dieser Zeit wollte eines Abends ein Gast mit einem alten Volvo mit Pferdeanhänger bei uns übernachten. Da er mit dem Gespann ziemlich ungünstig weiterer Parkplätze blockierte und er sich um seine Ladung sorgte boten wir Ihm einen Parkplatz auf unserem Garagenhof an. Auf die Frage nach dem Inhalt seines Anhängers antwortete er dass er auf dem Weg nach Süddeutschland sei und dort einen Teil seiner Nimbus-Motorräder verkaufen wolle. NIMBUS? Nie gehört. Also erst mal zeigen lassen. Tolles Motorrad. Langes Gespräch. Einfachste Technik auch für mich als gerade in der Ausbildung befindlicher Koch. Wer war der Gast???? Klar. Der Mann der wohl in Deutschland die meisten Nimbus verkauft hat. Bertold Colberg. Am nächsten Tag reiste Bertold ab, nicht jedoch ohne seine Anschrift zu hinterlassen.

Von nun an ging mir die Nimbus nicht mehr aus dem Kopf aber wie finanzieren? Nach einigen überredungskünsten habe ich dann einen Deal mit meinem Vater abgeschlossen. Ich sollte zwei Jahre lang wöchentlich 1500 qm Rasen mähen und er kaufte mir dafür eine Nimbus.

Nach vorheriger Terminabsprache machten wir uns im gleichen Jahr noch auf den Weg zu Bertold. Dort angekommen schauten wir erstmal seine „Schmuckstücke“ an. Au weh, die uns Zugedachte war nicht gerade in einem auch nur halbwegs fahrbaren Zustand. Der Vorbesitzer hatte sie wohl als Chopper mit längerer Gabel und Sitzbank umgebaut gehabt und damit nicht genug, Metallicblau war sie auch noch. Lernte nicht gerade mein Bruder zu dieser Zeit Autolackierer? Welch ein Zufall. Also das gute Stück gekauft und in den alten VW 411 Variant verladen nicht jedoch ohne vorher noch passende Sitzgestelle und Gabelrohre mitzunehmen. Papiere gab es auch noch und eine Adresse in Rellingen. Dort bekommt ihr alle nötigen technischen Informationen über die Nimbus gab uns Bertold noch mit auf den Weg. Rellingen? Für die alten Nimbusianer klar verbunden mit Nico Hansen, dem Gründungsvater der IG NIMBUS – Freunde.

Nachdem wir wieder zuhause angekommen waren und sich das Donnerwetter meiner Mutter 1500 DMark für einen Haufen Schrott ausgegeben zu haben verzogen hatte setzte ich mich erstmal mit Nico Hansen in Verbindung. Technische Informationen über die NIMBUS? Klar doch, schicke ich. Wenige Tage später hielt ich dann die NIMBUS – Bibel in den Händen. So ausführlich konnte kein Hersteller ein Werkstatthandbuch erstellen. Einfach und so beschrieben dass es auch ein Koch versteht. Der Winter nahte und das war die richtige Zeit sich mit den Lackarbeiten zu beschäftigen. Farbwahl war ein dem Original ähnlichem Bahnbus-Rot. Was zu ersetzen war oder fehlte wurde bei Niels Nielsen geordert. Im Frühjahr konnte die Gute dann zugelassen werden aber vorher führte der Weg zum TÜV.

Ich schicke mal voraus das Göttingen eine Universitätsstadt mit ca. 120.000 Einwohnern ist. Der damalige Monopolist für technische Fahrzeugabnahmen am Ort wollte, und nun kommt dass Unglaubliche, meine NIMBUS für EINE WOCHE zur Durchführung von entsprechenden Prüfungen dort behalten. Es waren dort nämlich keinerlei technische Unterlagen über Nimbus vorhanden. Nein, Nein und nochmals Nein. Meine Nimbus ohne Aufsicht und dann noch für eine Woche in wildfremde Hände. Kommt gar nicht in Frage. Nachdem die Herren mit den blauen Kitteln mich in diesen Schockzustand versetzt hatten und ich mich weigerte das Motorrad dort zu lassen nannten sie mir dennoch einen Ansprechpartner beim TÜV in Hannover der sich eventuell mit diesem Oldtimer auskannte. Von Zuhause also in Hannover angerufen. Nachdem ich Herrn Bohn in Hannover von meiner Erfahrung in Göttingen erzählt habe fing er fast an zu lachen. Trecker-TÜV oder so ähnlich waren wohl seine Worte. Ergebnis des Telefongespräches war jedenfalls dass ich einen Termin bei der dortigen TÜV-Stelle bekam. Dort lagen die benötigten technischen Informationen über die Nimbus vor. Am Tag der Vorführung die Nimbus als auf den Anhänger und ab nach Hannover. Herr Bohn war ein netter Zeitgenosse der sich prima mit alten Fahrzeugen auskannte. Leider hatte ich damals noch nicht das Hintergrundwissen wie Heute sodass ich von dort ohne das entsprechende Papier wieder abrücken durfte. Ich hatte damals einen nicht zur NIMBUS gehörigen Lucas-Scheinwerfer montiert dessen Streuscheibe nicht asymmetrisch ausleuchtete. Das Rücklichtglas besaß keine Welle als Prüfzeichen also nicht zulässig. Heute lache ich über diese Dinge da die Rechtslage eine andere ist oder hat von euch schon jemand auf einer der originalen Rücklichtscheiben die Welle entdeckt?

Nach meiner Rückkehr vom Hauptsitz des Niedersachsen-TÜV´s hieß es also entweder einen neuen Scheinwerfer oder nur eine Streuscheibe. Da ich zu dieser Zeit nicht wusste welches ein Originalscheinwerfer passend zum Nimbus- Baujahr war suchte ich also nur eine Streuscheibe. Eine ins Gehäuse passende mit entsprechendem Reflektor fand ich beim hiesigen YAMAHA-Händler. Ein schlichtes ovales Zweikammerrücklicht von BOSCH mit Kennzeichenbeleuchtung und Prüfzeichen auf der Streuscheibe gab es beim KFZ-Teilehändler. Nach erfolgtem Anbau und erneuter Terminabsprache wollte ich mich dieses Mal auf eigener Achse nach Hannover aufmachen. Zweifel beschlichen mich bei der Lautstärke der Nimbus. Also stopfte ich zur Geräuschdämmung Stahlwolle ins Auspuffendrohr. Ich hätte es mir ersparen können. Nur ganz wenige Kilometer hat es gedauert bis aus dem Fischschwanz glühende Späne flogen. Egal, ich war ja auf dem Weg zum TÜV. Dort angekommen begutachtete Herr Bohn die Veränderungen und befand das Motorrad für straßentauglich. Lediglich bei der abschließenden Geräuschmessung musste ein wenig in die Trickkiste gegriffen werden. Der zum damaligen Zeitpunkt gültige Höchstwert nach Dezibel A (dBA) wurde leider überschritten. In diesem Moment kam jedoch das Baujahr in Betracht und zur Zeit der Erstzulassung wurde noch in Phon gemessen. Dieser Wert genügte den Anforderungen sodass ich mich mit entsprechendem positivem Prüfbericht auf die Heimfahrt begeben konnte. Nach der Anmeldung bei der Zulassungsstelle war ich nun ein glücklicher Nimbus-Fahrer.

1981 ging es dann auf eigener Achse zu meinem ersten NIMBUS-Treffen in Trebel bei Lüchow im Wendland. Tolles Gefühl sage ich euch. Stolz wie ein Hahn bin ich dort angekommen und die NIMBUS-Fahrer einfach klasse. Nachdem mir im Laufe des Jahres dann noch ein Pleuel abgerissen ist welches zu allem überfluss auch noch eine Delle von innen in die Ölwannenseite schlug  wurde ich ein sinniger Nimbus-Fahrer immer mit einem Ohr am Motorblock. 

1982 beim Treffen in Achim bei Bremen kam dann der Geschmack auf einen Seitenwagen. Das Original-Nimbus-Gestell bekam ich samt Seitenwagenboot ebenfalls von Bertold Kolberg. Gespann fahren ist schon was Besonderes.

1983 wurde dann meine Tochter Alexandra  geboren. So lief die NIMBUS solo  einen ganze Zeit bis sich wieder ein Pleuelschaden einstellte. Also wieder ausgießen lassen und weiterfahren. Mittlerweile hatte ich schon einen Haltungsschaden weil ein Ohr immer nahe dem Motorblock horchte. Irgendwann war die Nimbus in Bahnbusrot nicht mehr ansehnlich genug. Und dann nahm die Entwicklung seinen Lauf. Motorrad zerlegt und keine Zeit mehr. Umzug in größere Wohnung.  1986 Daniel geboren und wieder umgezogen. Als dann jedoch ein erneuter Umzug anstand war es höchste Zeit die Nimbus wieder zusammenzubauen nicht jedoch ohne sie gründlich zu restaurieren da ich die Teile ansonsten bestimmt nie wiedergefunden hätte. Auf den Seitenwagen wurde verzichtet da das Boot in einer so schlechten Qualität gemacht war dass der Anteil an benötigtem Spachtel die 2 kg Grenze locker überschritten hätte.

1993 war ich dann mal wieder auf einem Nimbus-Treffen. Diesmal in Oeversee, dem Treffen auf dem der Däne mit der weißen Nimbus den Motor auf offener Wiese zerlegt hat. Ziel war hier zu schauen und um jede Menge Fotos zu machen.

1994 zum Treffen in Kragelund bei Kappeln war sie erstmals wieder zusammengebaut und wir nahmen gemeinsam an einem Treffen teil. Das Treffen wird wohl allen Anwesenden als die Schlammschlacht schlechthin in Erinnerung bleiben. Wer erinnert sich nicht noch daran als die Gespanne mit Hilfe eines Trecker vom Treffplatz gezogen werden mussten?

1995 machte ich mich dann mit meiner Tochter auf eigener Achse auf, um durch die Heide gen Treffen in Steenfeld bei Hanerau-Hademarschen zu fahren. Leider ist auf dieser Fahrt in Celle zum dritten Mal das gleiche Pleuel ausgelaufen. Mit Hilfe meines Cousins, der uns in einer nächtlichen Aktion mittels Trailer dann noch an den Kanal brachte, konnte dort der Ursache der wiederholten Pleuelschäden auf den Grund gegangen werden.

Jens Bjerregård diagnostizierte  sofort: Weißmetall ist Scheißmetall! Die Ursache war also gefunden. Mein 3. Pleuel wurde in unserer Motorenwerkstatt jedes Mal rechts und links vom Auge durch Angiessen von Weißmetall auf das passende Maß gebracht. Außerdem war das aufgebrachte Lagermetall viel zu dick. Ich machte mit Jens einen Termin in den kommenden Osterferien aus um den Motor reparieren zu lassen. Am letzten Urlaubstag besuchte ich Jens. Bei diesem Besuch bekam ich neben neuen Pleuel, die er selbst hat nachgießen lassen auch noch ein neues Kurbelwellenlager und seine vergrößerte Ölpumpe verbaut. Um die Düsen der neuen Ölpumpe anzupassen müssen diese aufgebohrt werden. Nach einem halben Tag in Møborg trat ich die Heimreise an. Später am Tag fing Jens an seine Werkstatt aufzuräumen. Hierbei entdeckte er, dass die Bohrerspitze des Bohrers für die Spritzdüsen abgebrochen war. Nun war guter Rat teuer. Jens spricht nur dänisch und kannte meine Adresse nicht. Da Jens und Gerd Krümmel alte Bekannte sind rief Jens Gerd an und schilderte im den Vorfall. Gerd lies sich nicht nötigen und telefoniert ebenfalls gleich mit meiner Frau um ihr den Vorfall zu erklären und um einen Rückruf zu bitten sobald ich zuhause bin. Kann sich jemand mein Gesicht vorstellen wie ich zuhause angekommen geschaut habe? Ich habe natürlich sofort nach der Bohrerspitze gesucht und sie auch gefunden. Jens wollte sie jedoch nicht mehr zurückhaben.

Seit dieser Reparatur läuft das alte Mädchen wieder problemlos. Einmal muss ich aber dennoch noch zu Jens den mein Motor läuft mit den letzten Übermaßkolben und bevor Jens in Rente geht müsste er mir diese noch gegen neue Laufbuchsen und Kolben austauschen.

In den nächsten Jahren besuchte ich regelmäßig die alljährlichen Nimbus-Treffen, mal mit – mal ohne Nimbus. Als steter Gast dieser Treffen wurde es allmählich Zeit über die eigene Ausrichtung eines Treffens nachzudenken.

2006 meldete ich mich dann bei Peter Schönbeck um Ihm mitzuteilen dass ich gern das Treffen im folgenden Jahr ausrichten würde. Hier kam es dann zum ersten Mal in der langen Geschichte der Nimbus-Treffen zu einer Pattsituation. Kurz vor meinem Entschluß hatte sich Egon Bögeholz aus Lehre, zwischen Braunschweig und Wolfsburg, bei Peter gemeldet und sich als Treffausrichter für 2007 angeboten. Da meine Planung noch in den Kinderschuhen steckte haben wir Egon die Durchführung des 29. deutschen NIMBUS-Treffen überlassen. Bei seinem Treffen in Glöthe wurde ich dann den anwesenden Teilnehmern als Treffausrichter für das 30. internationale NIMBUS-Treffen im Jahre 2008 bekanntgegeben.

2008 durfte ich dann viele deutsche, einige dänische, wenige niederländische und einen schweizer NIMBUS-Freund auf meinen Treffen in Niedergandern bei Göttingen begrüßen. Es war eine phantastische Sache und hat allen „zum Helfen verdonnerten“ Familienmitgliedern riesig viel Spaß gemacht euch angemessen bewirten zu dürfen. Peter Heik, der sich bei mir hat (fast) überreden lassen das nächste Treffen auszurichten „steckte“ mir in einer ruhigen Minute dass für Ihn die Messlatte nun reichlich hoch hinge. Er legte aber im Jahre 2009 am Bodensee locker noch eine Schippe drauf. Allein die Landschaft ist für uns Flachländler schon atemberaubend gewesen. Beim bisher südlichsten Treffen wurde ich dann in gemütlicher Runde von Peter Schönbeck auf seine Nachfolge angesprochen. Die anwesende Tischrunde unterstützte Peter bei seinem Wunsch. Peter hatte den NIMBUS-Freunden als „Formand“ fast zwei Jahrzehnten vorgestanden und wollte nun altersbedingt seinen Posten abgeben. Ich erbat mir Bedenkzeit. Schaffe ich es die Truppe weiterhin zusammen zu halten??? Diese Frage beschäftigte mich einige Zeit.

2010 beim Nürnberger Treffen wurde ich wiederrum auf die Nachfolge angesprochen. Diesmal aber nicht von Peter sondern von einigen NIMBUS-Freunden für die es mittlerweile beschlossene Sache war und die mir unmissverständlich nahelegten doch wohl keinen Rückzieher machen zu wollen. Den Rückhalt der Truppe hatte ich. Warum also nicht????
Auf der Rückfahrt von einem Dänemarkurlaub im Oktober 2010 kehrte ich bei Peter in Klausdorf ein um offiziell die Aufgabe des neuen „Formand“ der IG Nimbus-Freunde zu übernehmen und mich in seine Arbeit einführen zu lassen. Ich nahm die vielen Unterlagen an mich und kämpfte mich lange durch das viele Papier um die vielen interessanten Dinge für alle interessierten Nimbus-Freunde aufzuarbeiten. Einige Seiten dieser Homepage und das Nimbus-Wiki geben einen Eindruck davon wieviel Informationen doch rund um unsere NIMBUS existieren. Hierbei darf ich jedoch nicht meinen guten Kontakt zu Knud Jørgensen unerwähnt lassen, durch dessen Wissen und die Erlaubnis den Inhalt seiner Bücher nutzen zu dürfen das Wiki so umfangreich geworden ist.

Nach der Übernahme der Dienstgeschäfte für die IG kamen natürlich nun ein Großteil der Anfragen zur Nimbus bei mir an. Ersatzteilbeschaffung und „kannst du nicht mal über meine Nimbus schauen“ nahm Ausmaße an die mich dazu nötigten 2020 ein Nebenerwerb anzumelden.

Ich hoffe im Laufe der Jahre die großen Fussstampfen meiner Vorgänger mit eurer Unterstützung angemessen ausfüllen zu können. Es steckt viel Arbeit in dieser tollen Aufgabe aber ich hoffe, diese durch Euch einzigartige IG noch viele Jahre zusammenhalten zu können.

Wolfgang